Posted On 25. Oktober 2014 By In gedacht, ungefiltert And 1256 Views

Ein Stein

Ein Stein, zwei Seiten. Die eine im Dunkel, der Erde zugewandt, sieht niemals das Licht, die Sonne, die Welt. Die andere zeigt ihr Gesicht den Menschen, fühlt den Wind, den Regen, die Wärme. Riecht die Freiheit. Die Menschen beachten ihn nicht, trampeln auf ihm, spucken, treten Kaugummi auf seine Haut. Die Seite des Lichts, für immer gebunden an die Dunkelheit, kann nicht entfliehen in die Freiheit. Sieht und spürt sie, doch kann sie nicht greifen. Die Dunkelheit, die Finsternis an der Seite des Steins, dem Gesicht der Dunkelheit, nagend, es tiefer zu sich zieht. Sie schickt Würmer und Maden, Bakterien und Pilze, die den Stein Jahrzehnte lang bearbeiten. Die Materie durchdringen und das Gesicht des Lichtes in die Dunkelheit ziehen.

Die Nichtbeachtung des Steins, ein weiterer menschlicher Fehler. Nur einer von vielen. Die Gesichter des Steins sind nur ein Abbild der unseren. Das Gesicht des Steines, das Lichtgesicht, ist das Abbild des Gesichtes, welches wir nach aussen zeigen. Der Teil von uns, der die Freiheit und die Sonne sieht, den wir bespucken lassen, der mit Kaugummi beschmiert wird. Ein Teil, den jeder Mensch von Anfang an für selbstverständlich in die Öffentlichkeit hält. Den anderen Teil unseres Ichs, verstecken wir, wie der Stein in der Dunkelheit. Wie auch er haben wir nicht die Wahl. Die eine Seite ist nach aussen gekehrt, die andere versteckt. Die dunkle Seite unserer Gesichter ist nicht zwangsläufig böse, wie einige von euch nun versuchen zu schlussfolgern. Ganz und gar nicht. Denkt an den Stein, kann die der Erde zugewandte Seite, kann der Stein überhaupt böse sein? Im Grunde nur, wenn ihn jemand benutzt um Schlechtes in die Welt zu bringen, wenn etwas böses den Stein aus dem Boden reisst und ihn als Wurfgeschoss benutzt und somit Schaden bringt.

Nicht böse, aber im wahrsten Sinne angefressen kann der Stein werden, wenn die Dunkelheit über ihn siegt, wenn die Bakterien und Keime, wenn die Würmer und Maden sein zweites Gesicht zerfressen. Es sich beginnt aufzulösen. Wie bereits festgestellt, verfügen auch wir über zwei Gesichter. Ein Öffentliches und ein Privates. Als Kind zeigen wir beide Gesichter zu gleichen Teilen, bis die äusseren Einwirkungen uns zwingen, das eine oder das andere zu verbergen, es zu privatisieren. Zu diesem Zeitpunkt beginnt bereits der Zerfall, die Dunkelheit gereift nach dem verborgenen Gesicht, beschädigt es. Oft passiert es, dass so eines unserer Gesichter im Laufe der Jahre verloren geht. Manchmal passiert es, dass einem die Umwelt dazu zwingt das Gesicht der Dunkelheit ans Licht zu bringen. Meist nicht ohne folgen. Der Stein, Jahre lang die der Erde zugewandte Seite zerfressen, wird herausgerissen und gedreht, wieder eingesetzt. Der Schock für alle anderen Steine ist enorm. Die von Würmern zerfressene Haut, löchrig, von Bakterien zerstörte Seite zeigt sich der Öffentlichkeit. Beim Menschen ist es oft nicht anders, in dem Moment, in dem wir gezwungen werden unsere andere Seite ans Licht zu bringen, stossen wir auf Abscheu und Unverständnis. Dabei ist diese Seite von uns nicht böse, sie ist lediglich in Mitleidenschaft gezogen. Der Mensch, ein Individuum aus Vorurteilen und Stereotypen sieht dies in den meisten Fällen nicht. Die daraufhin entgegenstrebende Ablehnung, beschleunigt den Verfall der noch zuvor dem Licht zugewandten Seite und zerstört so beide Gesichter vollkommen. Selten passiert es, dass das zweite Gesicht gepflegt und beschützt wird, dass wie auch das des Lichtes bestehen bleibt und so ein außergewöhnlicher Mensch entsteht, der beide Gesichter einsetzen kann und sich einen Vorteil zu allen anderen schafft. Diese Sorte Menschen, ich nenne sie die Guten, sind Leute, die unsere Welt verbessern.

Achtet auf den Stein…

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